30 Jahre Mauerfall

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Ich habe am Tag des Mauerfalls noch nicht so viel erlebt. Aber weil ich damals in Thüringen gewohnt habe, am Grenzzaun zu Bayern und das im Fernsehen verfolgt habe, war ich sehr überrascht. Natürlich hat sich sowas abgezeichnet in den letzten Monaten. Die Entwicklung, die Demonstrationen in Leipzig. Aber dass es tatsächlich passiert ist, und dann kurz vor unserer Haustür, weil, wie gesagt, es waren fünf Kilometer, da war man schon an der Grenze. Das verrückte war, dass wir noch nicht rüber konnten.

Die Grenze zu Bayern war dicht und in Berlin haben wir im Fernsehen schon die Jubelschreie gesehen, wie die Menschen die Mauer erstürmt haben, die Mauerstückchen abgeschlagen haben, das haben wir alles gesehen und wir waren ja genauso nah dran aber bei uns war alles verriegelt. Es hat tatsächlich drei Tage gedauert bis dann auch in Thüringen der nächste Zaun war, in Coburg und dazwischen waren 20 Kilometer, dazwischen ist dann der Grenzzaun geöffnet worden aber erst drei Tage später. Aber es war genauso wie in Berlin bloß in klein. Die ganzen Leute aus Bayern standen bereit.

Wir sind ja teilweise zu Fuß, mein Vater und ich. Rechts und links haben Leute Schokolade geworfen. Dann sind wir in den nächsten Ort gegangen. Es war ein Edeka- Markt, und die haben extra aufgemacht, und weil die DDR Bürger noch West Mark hatten, haben alle Schokolade gekauft. Daran kann ich mich noch erinnern. Es war ein sehr herzlicher Empfang.

Ich muss sagen, einiges hat sich verändert. Der Mauerfall hat eigentlich mein junges Leben auf den Kopf gestellt. Aber Positiv. Weil ich wollte zum Studieren nach Berlin gehen. Aber weil ich nicht in die Partei eintreten wollte, hat mir der Parteisekretär die Reise verwehrt. Er sagte, ich kann nach Berlin zum studieren fahren, wenn ich jetzt das Parteibuch unterschreibe. Habe ich aber nicht gemacht, und musste dann warten und wusste nicht, ob ich nach Berlin kann.

Der Fall der Mauer hat es für mich entschieden. Die Grenzen waren offen und neun Monate später war ich in Berlin.
Das erste Mal in Berlin habe ich in einem Studentenwohnheim gewohnt. Ich habe ein Betriebswirtschaftsstudium angefangen und habe dann wieder aufgehört, weil das liegt mir nicht, und habe dann was anderes angefangen. Ich denke alles hat sich verändert. Der Ortswechsel hat sehr viel bewirkt, denke ich. Ich bin mit Leuten zusammengekommen, die ich sonst in der Provinz nicht getroffen hätte. Sehr viele kreative Leute, Anfang der 90er, und ich war auch in einer Theater Ag und habe viele Sachen gemacht und habe mich entschlossen Sozialarbeit zu studieren – und ich denke, das wäre komplett anders verlaufen, wenn es den Mauerfall nicht gegeben hätte. Dann wurde ich vielleicht irgendwo im Büro sitzen und würde Sachen machen, die mir keinen Spaß machen würden.

Danke

30 Jahre Mauerfall

Am Tag des Mauerfalls, war ich auf der Arbeit und habe alles leider nicht so mitbekommen. Ich habe es nur im Radio gehört und mir sind fast die Tränen gekommen.

Auf welcher Seite waren Sie?

Ich war im Westen. Mir ging es soweit ganz gut mit dem Mauerfall. Ich konnte wieder Freunde besuchen und habe mich darüber sehr gefreut.
Es hat sich sehr viel verändert. Ich kann wieder nach Pankow gehen und freue mich, dass ich dort alles sehen kann.

Hier der Audiofile zu dem Interview:

30 Jahre Mauerfall

Im vergangenen Jahr wurde 30 Jahre Mauerfall gefeiert, auch im Zentrum AktionsRaum haben wir über die damalige Zeit nachgedacht.

Da entstand die Idee, Menschen von VIA über ihre Geschichten zum Thema Mauerfall zu befragen.

Das Thema bleibt aktuell und wir werden in den kommenden Wochen persönliche Eindrücke und Erfahrungen auf unserem Blog veröffentlichen!

Für Alle, die Sehschwierigkeiten haben, gibt es die Interviews auch als Tonspur.

Baut die Burg ab

Die Burgwand (1)Die Burgwand (1)Die Burgwand (1)

 

 

 

 

Um die Burg nun endlich abzubauen schrieb ich einen Artikel für den VIA Blog

Baut die Burg ab!

Das Thema mit der Burg geht mir nicht aus dem Kopf, obwohl ich nicht gekifft habe. Alles, was Burg ist, muss abgebaut werden. Dann leben wir unser eigentliches Leben ohne Krankheit und Tod. Wie ich auch schon in meinem Artikel im Blog über die Burg meinte, sind wir so frei und können auch mit der Burg ohne sie leben statt zu „gelden“ und zu „toden“, aber meiner Meinung nach, ist es schon lange Zeit, sich von der Doppelkreuzritterburg zu trennen und im selbstverständlichem Paradies zu leben. Hinter der Burgwand (Häuserwand oder Straße) ist unser abgeschaltetes, eigentliches Leben. Und das mit dem Kapitalismus würde sich auch erledigen. Wir können auch in unserem eigentlichen Leben arm, obdachlos, krank und tot sein, ohne arm, obdachlos, krank und tot zu sein. Es gibt sogar den Kapitalismus, ohne dass es ihn gibt. Durch meine Freiheit lebe ich schon lange im eigentlichen Leben, obwohl alle schlafen. Wacht auf! Es lohnt sich geboren zu sein! Weiterlesen →Baut die Burg ab

Kurzlyrik

Mein Ort

Ich habe einen Ort

Der gehört nur mir
In ihm finde ich Antworten
Er ist licht und hell
Er weist mir den Weg

Ich brauche meinen Ort

An dem bin nur ich

sonnenallee.jpg

Am Morgen

In den Tönen des Morgens
geht die Nacht dahin
Ein Abschied auf Raten
doch ist es einer Weiterlesen →Kurzlyrik

Mein Praktikum

Aus dem Leben gegriffen und über den Alltag berichtet. Was erlebt man während eines Praktikums im Lwerks … cultur, einem Café und Restaurant am Rathaus Neukölln?

Ein Text von I. Hennemann

Die Öffnungszeiten im Café Lwerk haben sich geändert. Montags fange ich um 10 Uhr an, mein Fahrweg beträgt 45 Minuten und ich muss viel stehen und laufen. Das längere Stehen ist anstrengend. Ich muss das schmutzige Geschirr kurz abspülen und dann in die Spülmaschine tun. Die Haupttätigkeit besteht im Abtrocknen. Es sind sehr viele Gläser, die ich polieren muss. Manchmal muss ich auch etwas aus dem Lager holen oder den Koch unterstützen und ein Rührei zubereiten. Ich durfte auch einmal Keksplätzchen ausstechen. Was auch zu meinen Tätigkeiten gehört, ist das Wäscheaufhängen und die Wäsche zusammenlegen. Um halb eins gibt es ein gutes Mittagessen, meist mit Salat. Einen Espresso bitteZwischendurch sollen wir viel Selters trinken. Manchmal darf man auch einen Cappuccino trinken. Weiterlesen →Mein Praktikum