Leben in seltsamen Zeiten III

DSCF5483nAktionsräumler*innen berichten aus der Zuhause-Pause

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Situation?

Mir geht es gut. Ich komme gut zurecht. Mein Freund ist seit Anfang März bei mir. Für mich hat sich, abgesehen davon, dass ich den AktionsRaum nicht besuchen kann, nicht viel geändert. Ich bin sehr zufrieden, dass ich so stabil bleibe.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit?

Ich lese viel. Zusammen machen wir kleine Spaziergänge zu unserer Lieblingsbuchhandlung, gehen einkaufen und schauen abends die Nachrichten im Fernsehen an. Das ist schon ritualisiert. Vorher raten wir gemeinsam bei „Wer weiß denn sowas?“. Morgens werden wir von den Katzen geweckt, das heißt ausschlafen is‘ nicht. Sonst bin ich viel allein gewesen. Jetzt ist mein Freund immer um mich und ich bin erstaunt, dass das doch so super klappt, denn etwas Angst hatte ich schon davor. Ich bin entspannter als gedacht. Mir hilft es sehr, mich mit ihm auszutauschen.

Wie informieren Sie sich über Corona?

Hauptsächlich über „Heute“, „Abendschau“ und „Tagesschau“.

Was fehlt ihnen am meisten?

Auf jeden Fall der AktionsRaum. Die Gespräche mit den anderen, das Treffen in der Pause. Mir fehlt es auch ein bisschen, mich mal in ein Café setzen zu können.

Haben Sie vielleicht auch etwas Positives für sich entdeckt?

Zum einen das Verhältnis zu meinem Freund. Es hat sich vertieft und gefestigt. Zum anderen fällt mir auf, dass man wenig braucht, wenig Luxus. Das stellen jetzt auch andere fest und das finde ich gut. Ich finde es auch sehr angenehm, dass weniger Gedränge beim Einkaufen herrscht. Der Abstand dort dürfte so bleiben.

30 Jahre Mauerfall

Am Tag des Mauerfalls, war ich auf der Arbeit und habe alles leider nicht so mitbekommen. Ich habe es nur im Radio gehört und mir sind fast die Tränen gekommen.

Auf welcher Seite waren Sie?

Ich war im Westen. Mir ging es soweit ganz gut mit dem Mauerfall. Ich konnte wieder Freunde besuchen und habe mich darüber sehr gefreut.
Es hat sich sehr viel verändert. Ich kann wieder nach Pankow gehen und freue mich, dass ich dort alles sehen kann.

Hier der Audiofile zu dem Interview:

2. Nachtrag zu „Meine eigenen Wohnungen“

 

Es ist nun eineinhalb Jahre her, seit ich vom betreuten Wohnen aus der 2er WG in Neukölln, wo ich mit einer guten Freundin vier Jahre zusammen gelebt hatte, in meine eigene Wohnung in Lichtenberg gezogen bin.
Es war eine schöne Zeit in der WG. Wir waren der Mittelpunkt der Glasower Straße. Alle kamen zu uns, auch meine Nachbarin, die von morgens bis abends jeden Tag bei uns war und bei uns übernachtet hatte. Sie fühlte sich bei sich in der Wohnung nicht wohl und hatte uns, wo sie immer hin gehen konnte. Wir haben zusammen Filme und Serien bei Youtube geschaut, Musik gehört oder einfach so im Internet gesurft. Alle haben bei uns telefoniert und mein WLAN benutzt, haben bei uns Tabak und Blättchen, Essen und Geld bekommen, wir haben zusammen gekocht oder ich habe für alle Cheeseburger, Hot Dogs und Toast Hawaii gemacht oder wir haben uns Essen geholt beziehungsweise bestellt und zusammen gegessen. Sogar der Vater von meiner guten Freundin kam mit Koffern bepackt und hat bei uns wochenlang gewohnt, was dann doch ziemlich anstrengend war. Also dachte ich mir, ich suche mir meine eigene Wohnung, um mit meiner Nachbarin meine Ruhe zu haben. Doch die Sache ging irgendwie nach hinten los. Weiterlesen →2. Nachtrag zu „Meine eigenen Wohnungen“

Das neue Jahr und meine Entscheidungen

 

Das neue Jahr ist jetzt schon wieder ein paar Wochen alt und die Feiertage scheinen weit weg. Für mich aber waren die Weihnachtszeit und das Silvesterfest im Jahr 2018 anders als sonst und deswegen irgendwie auch etwas Besonderes.
Durch den Kontaktabbruch zu meinem Vater und Bruder, habe ich das erste Mal ohne Familie gefeiert, dafür mit meinem Freund und meinen beiden Katzen.
Äußerlich verliefen die Tage ruhig, aber in meinem Innersten gingen die Gefühle und Gedanken zurück in meine Vergangenheit. Musiksendungen im Fernsehen brachten Erinnerungen hervor und die Nächte wurden unruhig. Weiterlesen →Das neue Jahr und meine Entscheidungen

Nachtrag : „Meine eigenen Wohnungen“ und „Kreuz, Kreis und Ecke“

Ich möchte nun zu meinen bisherigen Beiträgen einen aktuellen Nachtrag vorstellen – wie ich inzwischen über die Burg denke und wie ich in meiner eigenen Wohnung angekommen bin:

Immer wenn ich kiffe, wird das Thema „Doppelkreuzritterburg“ sehr stark und intensiv. Das kommt mir natürlich sehr verdächtig vor und deswegen habe ich das Kiffen so gut wie es ging, gemieden. Ich hatte vor Jahren eine Suchttherapie im Therapieladen erfolgreich beendet und habe drei Jahre gar nicht gekifft, allerdings einen Rückfall gebaut und dann anderthalb Jahre wieder nichts genommen. Rückfälle hatte ich öfter und sogar die Therapie erneut beantragt. Ich mache aber die Therapie trotzdem nicht noch einmal, weil ich der Meinung bin, dass ich sie schon erfolgreich beendet habe und ja weiß, dass ich nicht mehr kiffen sollte und im Therapieladen gelernt habe, dass nicht gekifft wird.

Dass Berlin eine Burg in der Brandenburg ist, denke ich zwar irgendwie immer noch aber den Gedanken, dass ich telepathische Kräfte hätte, obwohl ich weiß, dass das gar nicht funktioniert, was ich da denke, habe ich fast überhaupt nicht mehr. Darüber freue ich mich natürlich sehr und möchte auch deswegen nicht mehr kiffen, weil es sonst wieder intensiver wird. Ich fühle mich zurzeit sehr stabil und nehme weiter gerne die hohe Dosis Risperidon (4mg morgens und 4mg abends), weil es irgendwie jeden Tag besser wird. Weiterlesen →Nachtrag : „Meine eigenen Wohnungen“ und „Kreuz, Kreis und Ecke“