Was Sie hier sehen, ist eine kleine Auswahl von Arbeiten, die in unserem Atelier entstanden sind. Das Atelier im Zentrum AktionsRaum besteht seit Januar 2016 und richtet sich mit seinem Angebot vor allem an Menschen, die sich selbsttätig auf einen künstlerischen Weg gemacht, künstlerisches Handeln in ihren Alltag integriert haben und die sich teilweise auch als KünstlerInnen sehen.

Die Bilder, die wir hier zeigen sind Ergebnisse von Prozessen künstlerischen Handelns. Was heißt das?

Künstlerisch Handelnde sind immer konfrontiert mit der Komplexität realisierbarer Wege, die eine Vielzahl von Entscheidungsmöglichkeiten eröffnen aber auch abnötigen und die zugleich auch ihre Handlungsfähigkeit bedrohen können. Diese Situation kann als produktiv, herausfordernd und chancenreich erlebt werden, aber auch als belastend, verwirrend, blockierend. Offenheit und Unbestimmtheit in Ziel und Vorgehen werden subjektiv als Ungewissheit wahrgenommen. Die daraus resultierende Unsicherheit ist untrennbar mit künstlerischem Handeln verbunden. Die Freiheit, für die Kunst so gern gerühmt wird, verlangt von den KünstlerInnen also einen hohen persönlichen Preis und zudem Risikobereitschaft und Hingabe. Denn dafür, dass ein künstlerischer Prozess am Ende gelingt, zu einem befriedigen Ergebnis führen wird, gibt es keinerlei Garantien.
Wer künstlerisch handelt, lässt sich auf einen Weg voller Unwägbarkeiten ein. Dies widerspricht einer gängigen Auffassung, dass am Anfang eines künstlerischen Prozesses eine Idee, eine Vision steht, die dann lediglich noch umgesetzt wird. Oft haben Künstlerinnen und Künstler zwar eine Anfangsidee, jedoch das Verhältnis dazu ist lebendig, oszillierend, beweglich und muss im Verlaufe des schöpferischen Prozesses erst gänzlich entdeckt, präzisiert und manchmal sogar völlig neu geschaffen werden.
Künstlerisch Handelnde müssen dann den Mut aufbringen, sich einem Dialog zu stellen zwischen den eigenen Intensionen und der Eigenständigkeit eines sich entwickelnden Bild-Gegenübers. Deshalb ist die Beziehung künstlerisch Handelnder zu dem, was sie hervorbringen wollen, stets ein von Nichtwissen geleitetes Vorgehen. Es bedarf der eigenen Aufgeschlossenheit gegenüber etwas, was sich erst noch zeigt. Und es braucht ein unerschrockenes Kämpferherz, sich immer wieder aufs Neue einzulassen, trotz regelmäßig aufkommender Frustrationen und der steten Möglichkeit des Scheiterns immer wieder aufzustehen und den Weg fortzusetzen.

Schon diese wenigen hier genannten Aspekte, nötigen mir den vollsten Respekt und hohe Anerkennung ab, für diejenigen, die sich in unserem Atelier Woche für Woche dieser Herausforderung stellen. Mit ihren Arbeiten erfinden uns die künstlerisch Tätigen im wahrsten und besten Sinne Vor-Bilder, die von der Auseinandersetzung mit der Kunst des Lebens zeugen.

Untersuchungen, die in Kunstmuseen gemacht wurden zufolge verweilen die Augen von Betrachtern nur wenige Sekunden auf einem Bild. Im Internet sind es sogar nur Bruchteile von Sekunden. Die Aufmerksamkeit für Nachrichten, Informationen, Bilder sinkt proportional zur Menge der gewaltigen Datenflut, die uns im Zeitalter des Chattens, Zappens und Klickens jeden Tag erreicht. Wenn Sie z.B. diesen Text bis hierhin durchgelesen haben, gehören Sie vermutlich schon zu einer Minderheit.

Da erstaunt es dann doch, dass es trotzdem immer wieder dazu kommt, dass wir von einzelnen Bildern magisch angezogen werden, uns aufhalten und dass uns eine vertiefte Begegnung mit einem Kunstwerk ereilt. Unvermittelt werden wir von einem Farbklang berührt, von einer Assoziation getroffen, von der Rätselhaftigkeit eines Bildes gefesselt. Manchmal ist es vielleicht Liebe auf den ersten Blick, ein anderes Mal eine vorsichtige Annäherung.

Und immer sehen wir auf Bilder mit unserem geistigen Rucksack, gefüllt mit Erwartungen, Vorurteilen, Erinnerungen. Wir betrachten das Kunstwerk in der Regel von unserem Standpunkt aus und verpassen allzu schnell die Erkenntnis, dass das Werk seinen eigenen Standpunkt hat, von dem aus es uns betrachtet und herausfordert.

Die Auseinandersetzung mit Kunst ist deswegen so spannend, weil sie es vermag, unseren Rucksack durcheinander zu wirbeln und ihn auch neu zu beladen.

Aber Kunst ist weit mehr, als eine individuelle Konfrontation mit dem eigenen Ich. Kunst ist immer Ausdruck des ganzen Menschen und sie meint immer den ganzen Menschen. Kunst ist immer Ausdruck des allgemein Menschlichen und meint immer das allgemein Menschliche.

Und es sind nicht einfach Fotos von Gemälden, die Sie hier zu sehen bekommen. Was Sie hier zu sehen bekommen ist umfassender. Es geht darum, dass es diese Bilder überhaupt gibt, dass sie entstanden sind.

Joseph Beuys hat einmal über den Raum in dem Kunst entsteht gesagt: „Das Atelier ist zwischen den Menschen“. Ich glaube, etwas Schöneres kann man kaum sagen. Kunst in diesem Sinne findet nämlich überall da statt, wo Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas tun, gemeinsam schöpferisch tätig werden und kreativ Leben gestalten. So ist Kunst immer auch soziale Kunst. Die Materialien dieser sozialen Kunst sind nicht Papier und Farben sondern geistige Kräfte. Es sind die Präsenz im Augenblick, zwischenmenschliche Wärme, Wertschätzung und Anteilnahme, Achtsamkeit und fließende Energien, letztlich, wie Beuys es ausgedrückt hat: „…substanzielle Liebe, die zwischen Menschen erzeugt wird.“

Dafür möchte ich gern Ihr Bewusstsein schärfen, wenn Sie durch unsere virtuelle Ausstellung scrollen und klicken. Ich möchte Sie einladen sich von den Bildern anschauen zu lassen. Gehen Sie das Risiko ein, sich aufhalten zu lassen, vielleicht eine Entdeckung zu machen.
Vielleicht bekommen Sie ja auch Interesse unsere nächste Ausstellung zu besuchen. Dann schreiben Sie uns und wir laden Sie ein.

Eckhard Schwarzenberger
Dipl. Kunsttherapeut/ Kulturmanager/ Produktentwickler