Seit bestehen des Aktionsfeldes Atelier im Zentrum AktionsRaum gehören Ausstellungs- Galerie- und Atelierbesuche bei KünstlerInnen zum Angebot. Die TeilnehmerInnen dieser Exkursionen sind dazu eingeladen sich über aktuelle und historische Kunstströmungen zu informieren und mit Bildwerken inhaltlich und formal auseinanderzusetzen oder mit Kunstschaffenden in Kontakt zu treten. Es geht u.a. um die Aktivierung von Wahrnehmung aber auch um die Bewusstwerdung von Wahrnehmungsprozessen. Dies führt nicht selten zu einer kreativen Antwort auf jeweilige Fragestellungen, die sich aus einer solchen Auseinandersetzung ergeben können.

Die Rezeption unterschiedlicher Kunstwerke bildet, fördert und stimuliert unterschiedlichste Ressourcen wie zum Beispiel eine Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit etwa über Unterscheidungen von Nuancen oder ein tieferes Verständnis von Komplexität über die Erschließung von Bildthemen oder künstlerische Herangehensweisen.

Ein Wesensmerkmal unserer Exkursionen ist die aktive Rezeption, bei der sich die TeilenhemrInnen nicht auf das Betrachten von Bildwerken beschränken, sondern in einen Dialog mit diesen treten. Dieser Aneignungsprozess verläuft in mehreren Phasen mit offenem Ausgang und ohne vorgegebene Lernziele. Hierbei erhalten die TeilnehmerInnen einen Arbeitsauftrag, der in eine Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk und Sichtweisen anderer TeilnehmerInnen führt und es ermöglicht über vertraute Seh- und Denkgewohnheiten hinauszugehen. Die Exkursion ermöglicht aber nicht nur einen Dialog mit Kunst sondern auch eine Erfahrung in der Gruppe und die Interaktion zwischen den TeilnehmerInnen. Der Galeriebesuch wird zu einem sozialen Ereignis des miteinander Teilens, die Beschäftigung mit Kunst zu einem kommunikativen Akt der kreativen Selbstwerdung.

Die Phasen der Exkursion könnten wie folgt benannt werden:
Phase 1: Konfrontation mit einem künstlerischem Werk
Phase 2: Wahl und Entscheidung für eine oder mehrere Arbeiten mit dem Zweck einer vertieften Auseinandersetzung
Phase 3: Entgegennahme eines Arbeitsauftrages. Ein Forschungsprozess mit dem und um das Kunstwerk beginnt. Er ist gegliedert in Recherche, Analyse, Selbstreflexion, Dokumentation
Phase 4: Kreative Umwandlung von Erkenntnissen in eine Produktion
Phase 5: Präsentation von (Zwischen-)ergebnissen in der Gruppe
Phase 6: Austausch, Reflexion, Disskussion

Die Arbeitsaufträge werden individuell auf eine konkrete Ausstellung hin konzipiert und können sehr unterschiedlichen Charakter annehmen. In der hier dokumentierten Exkursion wurde an die TeilnehmerInnen folgender Arbeitsauftrag erteilt:
A. Erster Rundgang – Sondierung (20 Minuten) Was gibt es hier zu sehen, zu erkunden, wahrzunehmen?
B. Auswahl eines Bildes für die weitere Arbeit (10 Minuten) Warum fiel die Wahl gerade auf dieses Bild?
C. Erforschung: Rezeption – Bildanalyse – Reflexion (20 Minuten)
Was ist auf dem Bild dargestellt – Was ist zu sehen? (Achten auf die Unterscheidung zwischen objektiv Wahrnehmbarem und Interpretation!)
Was geschieht auf dem Bild?
An was denken Sie, wenn Sie dieses Bild sehen? Warum denken Sie daran?
Was soll mit dem Bild ausgesagt werden? Woraus schließen Sie das?
Was wird in diesem Bild über die Welt ausgesagt?
Was hat das mit meiner Welt zu tun?
D. Zählen Sie mindestens zehn Bildelemente (Formen, Gegenstände, Strukturen, Farbflächen, Figuren) auf, die in Ihrem Bild enthalten sind. Notieren Sie diese. Schreiben Sie einen kurzen Text, in dem diese Elemente eine Rolle spielen. (30 Minuten)

Der hier nun folgende Film dokumentiert diese Exkursion.

Für die Erstellung des Filmes wurde das Potential des Aktionsfelds Foto und Digitales Design genutzt, dass seit Anfang des Jahres eine neue Ausrichtung verfolgt. Dazu gehört auch die enge Verzahnung mit den anderen Aktionsfeldern, welche uns im AktionsZentrum ganz neue Möglichkeiten eröffnet. In diesem Aktionsfeld findet ein stetiges Lernen am Produkt statt. Dieser Film, sozusagen das Erstlingswerk, wurde bis auf redaktionell inhaltliche Aspekte ausschließlich von Klienten des Aktionsfelds Foto und Digitales Design erstellt. Das beginnt beim Drehbuch über die Aufnahmen bis hin zur Postproduktion und der Regie. Ein Dank an alle, die sich hierbei mit Herz und Verstand eingebracht haben.

Eckhard Schwarzenberger
Dipl. Kunsttherapeut/ Kulturmanager/ Produktentwickler