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Hoch und Tief

Jahre um Jahre ziehen ins Land
Manchmal hast Du ’s in der Hand
Doch wenn sich Mauern vor Dir türmen
Kannst Du nicht mehr vorwärts stürmen

Dunkelheit versperrt die Sicht
Denkst ständig nur „Ich schaff´ das nicht“
Hilfe suchen fällt Dir schwer
Es sieht so aus als geht nichts mehr

Es kostet Kraft das Licht zu finden
Oft muss man dafür richtig schinden
Doch in Dir ist ’ne große Kraft
Die Helligkeit im Leben schafft

Ein jedes Tief geht mal vorbei
Die Seele fühlt sich wieder frei
Als Mensch kannst Du Dich wieder fühlen
Wie ein Kind das Leben spielen.

Gwendrix

Leben in seltsamen Zeiten III

DSCF5483nAktionsräumler*innen berichten aus der Zuhause-Pause

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Situation?

Mir geht es gut. Ich komme gut zurecht. Mein Freund ist seit Anfang März bei mir. Für mich hat sich, abgesehen davon, dass ich den AktionsRaum nicht besuchen kann, nicht viel geändert. Ich bin sehr zufrieden, dass ich so stabil bleibe.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit?

Ich lese viel. Zusammen machen wir kleine Spaziergänge zu unserer Lieblingsbuchhandlung, gehen einkaufen und schauen abends die Nachrichten im Fernsehen an. Das ist schon ritualisiert. Vorher raten wir gemeinsam bei „Wer weiß denn sowas?“. Morgens werden wir von den Katzen geweckt, das heißt ausschlafen is‘ nicht. Sonst bin ich viel allein gewesen. Jetzt ist mein Freund immer um mich und ich bin erstaunt, dass das doch so super klappt, denn etwas Angst hatte ich schon davor. Ich bin entspannter als gedacht. Mir hilft es sehr, mich mit ihm auszutauschen.

Wie informieren Sie sich über Corona?

Hauptsächlich über „Heute“, „Abendschau“ und „Tagesschau“.

Was fehlt ihnen am meisten?

Auf jeden Fall der AktionsRaum. Die Gespräche mit den anderen, das Treffen in der Pause. Mir fehlt es auch ein bisschen, mich mal in ein Café setzen zu können.

Haben Sie vielleicht auch etwas Positives für sich entdeckt?

Zum einen das Verhältnis zu meinem Freund. Es hat sich vertieft und gefestigt. Zum anderen fällt mir auf, dass man wenig braucht, wenig Luxus. Das stellen jetzt auch andere fest und das finde ich gut. Ich finde es auch sehr angenehm, dass weniger Gedränge beim Einkaufen herrscht. Der Abstand dort dürfte so bleiben.

Leben in seltsamen Zeiten II

vxfxdvdyAktionsräumler*innen berichten aus der Zuhause-Pause

Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?

Langsam habe ich mich daran gewöhnt.  Zu Hause zu bleiben ist ein Schutz für mich… das war es auch schon früher.

Informieren sie sich über Corona?

Am Anfang ja, jetzt nicht mehr so. Ab und zu schaue ich Nachrichten.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit?

Ich bin Selbstversorger, da hat sich nichts geändert. Ich gehe zweimal die Woche einkaufen. Eine Maske trage ich nicht. Ich achte darauf, mir die Hände gut zu waschen. Ansonsten lese ich viel und quizze, vor allem Kreuzworträtsel. Derzeit lese ich „Papillon“. Den Film kenne ich zwar schon aber das Buch gefällt mir besser.

Was fehlt Ihnen gerade?

Die Arbeit fehlt mir, weil die Struktur fehlt. Und ich ärgere mich, dass meine Familie sich nicht um mich kümmert. Ich habe drei Geschwister in der Stadt, zu denen ich seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr habe. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich mal erkundigen, ob es mir gut geht. Die Arbeit fehlt mir auch deshalb. Denn da kann ich wenigstens für andere da sein.

Gibt es etwas aus dieser Zeit, dass auch für die Zukunft bleiben soll?

Der Mensch war zu arrogant. Er sollte daraus lernen, nicht so gierig zu sein und mehr an andere zu denken. Ein bisschen mehr Empathie wäre schön.

Leben in seltsamen Zeiten

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AktionsRäumler*innen berichten aus der Zuhause-Pause

Wie geht’s in der jetzigen Situation?

Mir geht’s ganz gut. Ich habe zwar Respekt vor dem Virus aber Angst habe ich nicht. Auch nicht vorm Tod. Ich möchte nicht wegen diesem blöden Virus sterben.

Informieren Sie sich über Corona?

Ein guter Kumpel von mir ist Arzt und schiebt mir Information zu. Außerdem höre ich natürlich viel Radio und gucke Fernsehen.

Wie verbringen Sie Ihre Tage zuhause?

Die Tätigkeit im AktionsRaum fehlt mir. Denn ich bin trotzdem jeden Tag um 6 Uhr wach, trinke dann einen Tee, rauche Zigaretten und höre oder sehe Nachrichten. Mittags esse ich eine Kleinigkeit, gehe Einkaufen oder informiere mich über die Virus-Lage, besonders in meiner Heimat. Ich nehme Kontakt zur Familie auf, möchte wissen, wie es ihnen geht. Ansonsten höre ich Musik oder gucke einen Film. Zuhause nur sitzen ist langweilig.

Was fehlt Ihnen gerade am meisten?

Ich möchte wieder in den AktionsRaum. Es  ist eine routinierte Arbeit, die mir Geld zum Leben gibt. Die Liebe fehlt mir auch, aber ich bin so schüchtern… sonst geht’s mir gut. Ich pass auf mich auf!

Gibt es durch die Corona-Situation auch positive  Aspekte?

Ein bisschen Erholung, ein bisschen mehr schlafen, ein bisschen mehr essen und ein bisschen mehr putzen… Ich fühle mich erholter.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, die Normalität kehrt zurück und dass keiner mehr Angst zu haben braucht, auf dass man wieder normal leben und arbeiten kann. Endlich tief durchatmen… und schön, dass es vorbei ist!

30 Jahre Mauerfall

Beitrag 2

Ich habe am Tag des Mauerfalls noch nicht so viel erlebt. Aber weil ich damals in Thüringen gewohnt habe, am Grenzzaun zu Bayern und das im Fernsehen verfolgt habe, war ich sehr überrascht. Natürlich hat sich sowas abgezeichnet in den letzten Monaten. Die Entwicklung, die Demonstrationen in Leipzig. Aber dass es tatsächlich passiert ist, und dann kurz vor unserer Haustür, weil, wie gesagt, es waren fünf Kilometer, da war man schon an der Grenze. Das verrückte war, dass wir noch nicht rüber konnten.

Die Grenze zu Bayern war dicht und in Berlin haben wir im Fernsehen schon die Jubelschreie gesehen, wie die Menschen die Mauer erstürmt haben, die Mauerstückchen abgeschlagen haben, das haben wir alles gesehen und wir waren ja genauso nah dran aber bei uns war alles verriegelt. Es hat tatsächlich drei Tage gedauert bis dann auch in Thüringen der nächste Zaun war, in Coburg und dazwischen waren 20 Kilometer, dazwischen ist dann der Grenzzaun geöffnet worden aber erst drei Tage später. Aber es war genauso wie in Berlin bloß in klein. Die ganzen Leute aus Bayern standen bereit.

Wir sind ja teilweise zu Fuß, mein Vater und ich. Rechts und links haben Leute Schokolade geworfen. Dann sind wir in den nächsten Ort gegangen. Es war ein Edeka- Markt, und die haben extra aufgemacht, und weil die DDR Bürger noch West Mark hatten, haben alle Schokolade gekauft. Daran kann ich mich noch erinnern. Es war ein sehr herzlicher Empfang.

Ich muss sagen, einiges hat sich verändert. Der Mauerfall hat eigentlich mein junges Leben auf den Kopf gestellt. Aber Positiv. Weil ich wollte zum Studieren nach Berlin gehen. Aber weil ich nicht in die Partei eintreten wollte, hat mir der Parteisekretär die Reise verwehrt. Er sagte, ich kann nach Berlin zum studieren fahren, wenn ich jetzt das Parteibuch unterschreibe. Habe ich aber nicht gemacht, und musste dann warten und wusste nicht, ob ich nach Berlin kann.

Der Fall der Mauer hat es für mich entschieden. Die Grenzen waren offen und neun Monate später war ich in Berlin.
Das erste Mal in Berlin habe ich in einem Studentenwohnheim gewohnt. Ich habe ein Betriebswirtschaftsstudium angefangen und habe dann wieder aufgehört, weil das liegt mir nicht, und habe dann was anderes angefangen. Ich denke alles hat sich verändert. Der Ortswechsel hat sehr viel bewirkt, denke ich. Ich bin mit Leuten zusammengekommen, die ich sonst in der Provinz nicht getroffen hätte. Sehr viele kreative Leute, Anfang der 90er, und ich war auch in einer Theater Ag und habe viele Sachen gemacht und habe mich entschlossen Sozialarbeit zu studieren – und ich denke, das wäre komplett anders verlaufen, wenn es den Mauerfall nicht gegeben hätte. Dann wurde ich vielleicht irgendwo im Büro sitzen und würde Sachen machen, die mir keinen Spaß machen würden.

Danke