Leben in seltsamen Zeiten IV

Aktionsräumler*innen berichten aus der Zuhause-Pause

Wie geht es Ihnen?
Die aktuelle Situation fällt ein wenig dürftig bei mir aus. Da ich Tabletten nehmen muss, um schlafen zu können, stehe ich leider auch erst spät auf. Wenn ich einen Termin habe, muss ich mir immer einen Wecker stellen.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit?
Jeden Tag dasselbe Ritual. Nach dem Aufstehen sind erst einmal meine 5 Vögel dran, die ich versorgen muss: Willi, Flip und Maja kommen nacheinander auf meine Hand geklettert und dann dürfen sie fliegen und an ihrer Korkröhre knabbern. Shelly und Beißi kommen leider nicht auf die Hand. Dann gibt es sauberes Wasser, sie mögen es frisch. Futter wird auch ausgetauscht und für meine kranke Shelly gibt es noch etwas Korvimin. Dann frühstücke ich erst einmal selbst.
Freitags gehe ich einkaufen, das Gros für die Woche. An einem Tag in der Woche treffe ich mich mit meiner Betreuerin, zurzeit machen wir meist einen Spaziergang. Leider kann ich an manchen Tagen nicht so lange laufen, da ich unter starken Rückenschmerzen leide.

Wie informieren Sie sich über Corona?
Über eine Handy-App, im Fernsehen bei der Tagesschau, Sondersendungen zu Corona, und im Internet.

Was fehlt ihnen am meisten?
Der AktionsRaum fehlt mir am meisten. Ich habe dort immer wieder mal Ideen, die ich meistens auch realisieren darf und kann. Ich bin sehr stolz darauf, dass mir öfter etwas einfällt, ich nicht deshalb belächelt werde, sondern mir auch immer Mut zugesprochen wird, dass wir das schaffen können. Man hat mir immer gesagt ich tauge zu nichts, ich bin nicht zu gebrauchen. Aber wie ich sehe gibt es Menschen die mich verstehen. Auch, dass ich mit 50 Jahren noch meinen Hauptschulabschluss nachgeholt und bestanden habe macht mich sehr stolz… oh, sorry, ich weiß gar nicht, ob dies hierher gehört.

Haben Sie vielleicht auch etwas Positives für sich entdeckt?
Als es losging mit Corona und es keine Masken gab, habe ich für meine Nachbarn, meine Tochter in Berlin und meine Tochter in Niedersachsen und auch für mich selbst Masken genäht. Dann habe ich ein wenig bei den Vögeln umgebaut und ihnen einen Springbrunnen angefertigt.

Mein Wellensittich-Sommerbad

Die Zutaten für das Wellensittich-Sommerbad. Der Plastikbehälter dient als Reservoir für die Aquarienpumpe.
Die Lego-Steine sind für die Vögel etwas vertrautes, da sie neuem gegenüber misstrauisch sind und den Brunnen sonst vielleicht nicht annehmen.
Wellensittiche können nicht schwimmen, daher ist der nur leicht vertiefte Deckel ideal als Wasserspielplatz für sie geeignet.

Und hier das tolle Ergebnis:.

 

2. Open Air Aktion vom Zentrum AktionsRaum

Ausflug in den Park am Vogelwäldchen in Gropiusstadt

Der Park am Vogelwäldchen ist ein großes Gelände mit Mischwald, das hinter dem Mauerstreifen bereits in bunt blühende Brandenburger Felder übergeht. Bei unserer Wanderung hatten wir  großes Glück mit dem Wetter – und mit Bestimmungsbüchern ausgerüstet sammelten wir Tiere und Pflanzen.

Unser Résumé:
„War schön, ja!“
„So eine Wanderung kann man schon Mal gerne machen.“
„Wohlauf gelungen!“

Open Air Aktion vom Zentrum AktionsRaum

Ausflug in den Körnerpark und die Thomas-Höhe inmitten von Neukölln

Unser erstes Treffen im Körnerpark ist der Wahrnehmung gewidmet. Wir treffen uns vormittags und das Wetter ist wunderschön. Wir beginnen mit einigen Atem- und Achtsamkeitsübungen. Danach – auf einer Bank sitzend – lauschen wir den Geräuschen um uns herum und versuchen sie nicht zu beurteilen, das ist gar nicht so einfach. Eine laute Baustelle übertönt zunächst alles. Mit der Zeit jedoch  können wir Vogelgesang, Kinderstimmen, Insektenbrummen und viele feine Geräusche mehr hören. Mit geschärfter Wahrnehmung machen wir uns auf einen Rundgang durch den Park. Wir finden Tiere, Pflanzen und Geschichten:

Bei einem Kaffee versuchen wir die folgenden Pflanzen zu bestimmen. Einige sind uns geglückt, bei einigen bräuchten wir Ihre Mithilfe. Wer eine noch unbestimmte Pflanze erkennt oder Kommentare hat, wende sich bitte an folgende Adresse: aktionsraum@via-berlin.de.

Erkannt haben wir:

Die Platane
Den Rhododendron
Den Frauenmantel mit Tautropfen
Die Schnecke, auch wenn sie keine Pflanze ist

Bei den folgenden Pflanzen sind wir uns nicht sicher…

Die nächsten beiden Aktionen fanden ganz in der Nähe, in der Thomas-Höhe statt. Hier wurde gespielt. Ein Spiel, das auch schon beim Sommerfest des AktionsRaumes im letzten Jahr großen Anklang fand: das Wikinger Schach oder Kubben. Wir suchten uns einen 5 x 8 m großen Platz, möglichst ohne hohes Gras und los ging es. Zwei Runden wurden mit Konzentration und Spaß gespielt und zum Schluss – auch nicht unwichtig – die Entscheidungsrunde.

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Hoch und Tief

Jahre um Jahre ziehen ins Land
Manchmal hast Du ’s in der Hand
Doch wenn sich Mauern vor Dir türmen
Kannst Du nicht mehr vorwärts stürmen

Dunkelheit versperrt die Sicht
Denkst ständig nur „Ich schaff´ das nicht“
Hilfe suchen fällt Dir schwer
Es sieht so aus als geht nichts mehr

Es kostet Kraft das Licht zu finden
Oft muss man dafür richtig schinden
Doch in Dir ist ’ne große Kraft
Die Helligkeit im Leben schafft

Ein jedes Tief geht mal vorbei
Die Seele fühlt sich wieder frei
Als Mensch kannst Du Dich wieder fühlen
Wie ein Kind das Leben spielen.

Gwendrix

Leben in seltsamen Zeiten II

vxfxdvdyAktionsräumler*innen berichten aus der Zuhause-Pause

Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?

Langsam habe ich mich daran gewöhnt.  Zu Hause zu bleiben ist ein Schutz für mich… das war es auch schon früher.

Informieren sie sich über Corona?

Am Anfang ja, jetzt nicht mehr so. Ab und zu schaue ich Nachrichten.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit?

Ich bin Selbstversorger, da hat sich nichts geändert. Ich gehe zweimal die Woche einkaufen. Eine Maske trage ich nicht. Ich achte darauf, mir die Hände gut zu waschen. Ansonsten lese ich viel und quizze, vor allem Kreuzworträtsel. Derzeit lese ich „Papillon“. Den Film kenne ich zwar schon aber das Buch gefällt mir besser.

Was fehlt Ihnen gerade?

Die Arbeit fehlt mir, weil die Struktur fehlt. Und ich ärgere mich, dass meine Familie sich nicht um mich kümmert. Ich habe drei Geschwister in der Stadt, zu denen ich seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr habe. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich mal erkundigen, ob es mir gut geht. Die Arbeit fehlt mir auch deshalb. Denn da kann ich wenigstens für andere da sein.

Gibt es etwas aus dieser Zeit, dass auch für die Zukunft bleiben soll?

Der Mensch war zu arrogant. Er sollte daraus lernen, nicht so gierig zu sein und mehr an andere zu denken. Ein bisschen mehr Empathie wäre schön.