In wenigen Tagen wird das VIA Zentrum AktionsRaum zu einem offenen Erfahrungsraum. Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews mit Eckhard Schwarzenberger wie die Idee zur Ausstellung entstand, warum es bei einem solchen Projekt auf gute Teamarbeit ankommt, lesen sie außerdem von besonders berührenden Momenten und werden Sie neugierig auf die Erfahrung des kontrollierten Kontrollverlustes.

Wie kam die Idee des Konzepts zustande?

Das Konzept entwickelte sich aus einer Ideenfindung, die wir gemeinsam als Team des Zentrums AktionsRaum während einer Sitzung hatten. Es war eines der seltenen Momente, in der ein Team in eine Erfahrung kommt, die am besten mit den Begriffen Flow oder eben Resonanzerfahrung beschrieben werden können. Marie-Louise Herrmann hat das ganz schön im Katalog, der zur Ausstellung erscheint, beschrieben. Diese damals geborene Idee nach und nach zu einem Konzept weiterzuentwickeln und in konkrete Rauminstallationen, eine künstlerische Gestaltung zu überführen war dann meine Aufgabe. Ich konnte dabei vor allem auf Klient*innen aus dem Aktionsfeld Foto und Digitales Design bauen. Denn die Interviews, Filme und Tonaufnahmen wurde alle hier gefertigt. Zudem haben wir mit Luisa Wein, Maria Schwarzenberger, Amine Bedia und Karsten Giertz ein wunderbares Team gebildet, dass das Ganze nun realisiert. Und die anderen Kolleg*innen vom Zentrum AktionsRaum halten uns dafür den Rücken frei, eine ganz ausgezeichnete Zusammenarbeit.

Wie lange haben die Vorbereitungen zu der multimedialen Installation gedauert?

Wie immer bei solchen Projekten gibt es für die Vorbereitungen einen sehr strengen, meist viel zu engen Zeitplan. Die Vorbereitungen dauern an und werden bestenfalls unmittelbar vor der Ausstellung abgeschlossen sein. Es gibt bei solchen komplexen Projekten eine Unmenge von technischen und organisatorischen Problemen zu lösen. Da kommt es auf eine gute Teamarbeit an. Aber ich bin zuversichtlich, wir haben ein hochmotiviertes und kompetentes Team dafür zusammengestellt. Ich sehe einen solchen Prozess, der am Ende zu einem Ergebnis führt wie es diese Ausstellung sein wird, selbst als ästhetische Erfahrung an. Menschen verbinden ihre Energie und erschaffen etwas Gemeinsames, was alleine niemand hätte erschaffen können – das hat Schönheit.

Im Verlaufe der Vorbereitungen hast du viele Menschen aus dem Zentrum AktionsRaum interviewt. Gab es für dich besonders beeindruckende oder auch berührende Aussagen der Interviewten?

Am berührendsten für mich waren die Momente, wo sich etwas zwischen den Interviewten und mir geöffnet hat. Ein Moment des Gesehen- und Gehörtseins. Das hatte etwas sehr Intimes und ich bin dankbar dafür, dass sich die Menschen so geöffnet haben. Überhaupt habe ich den Mut bestaunt, den alle Gesprächsteilnehmer gezeigt haben.

Eine Installation kann man als eine künstlerische Anordnung oder Gestaltung eines Raums verstehen. Wieviel Kunst und wieviel Realität werden an diesem Tag präsentiert? Lässt sich das überhaupt voneinander unterscheiden, also Kunst von der Realität oder Wirklichkeit ?

Jemand hat mal gesagt: Kunst handelt nicht vom Wirklichen sondern vom Möglichen. Kunst eröffnet uns also Räume, die wir noch nicht betreten haben und in dieser Ausstellung tut sie das sogar wortwörtlich. Ich würde mal behaupten, dass das was wir in der Kunst eine ästhetische Erfahrung nennen sehr viel Ähnlichkeit mit dem hat, was Hartmut Rosa als Resonanzerfahrung bezeichnet. Er spricht davon, dass wir neben den Erfahrungen mit Menschen und Dingen auch mit „höheren Ideen“ Resonanzerfahrungen machen können. Das kann z.B. eine religiöse oder spirituelle Erfahrung sein aber auch eine ästhetische oder Kunsterfahrung.

Denkst du, es gibt einen Unterschied in der Erfahrung – also in der Erfahrung der Kunst bzw. der Realität bezogen auf die Resonanzerfahrungen im AktionsRaum?

Das alles hat unmittelbar mit unserer erlebten Wirklichkeit zu tun, auch hier im Zentrum AktionsRaum. Denn Wirklichkeit ist ja nur über Erfahrung verfügbar oder umgekehrt, das was wir als Wirklichkeit bezeichnen speist sich aus unseren Erfahrungen.
Ein Teilnehmer hat dazu so schön formuliert. Bezogen auf seine Arbeit mit Holz sagte er:
„Holz ist ja nicht gleich Holz. Das war ja früher mal irgendwas. Da ist auch etwas Spirituelles, etwas Mystisches. Man sitzt nicht nur da, so leer und ohne Gefühl sondern man umgibt sich mit so einer Art Aura.“

In einem Raum wird es für die Besucher der Ausstellung die Möglichkeit der Erfahrung des „kontrollierten Kontrollverlustes“ geben. Was ist darunter zu verstehen?

Das ist glaube ich etwas ganz Spannendes. Denn diese Erfahrung ist sozusagen eine spirituelle Urerfahrung, die wir auch in der Therapie versuchen zu revitalisieren. Kontrollierter Kontrollverlust ist ja erst einmal ein Paradoxon. Sinn erhält das Ganze dadurch, dass ich mich dafür entscheide in einem überschaubaren und klar definierten Rahmen die Kontrolle über Teile meiner Selbstbestimmung abzugeben, um eine Erfahrung zu machen von der ich nicht weiß welcher Art sie sein wird, außer dass ich weiß, dass ich ins vollkommen Unbekannte treten werde. Dies geht natürlich nur dann, wenn ich das Vertrauen aufbringen kann, dass ich zumindest unbeschadet da wieder auftauchen werde. Dafür müssen die Rahmenbedingungen so beschaffen sein, dass ich sie durchschauen und verstehen kann. Die Tiefe der Erfahrung wird auch durch den Grad der Regulierung mitbestimmt. In diesem Fall ist es eine klare und übersichtliche Struktur, die keine größeren Risken birgt. Es gibt aber durchaus Versuchsanordnungen, die weitaus existenzieller sind, ich denke da z.B. an Performancekunst der 70er und 80er Jahre. Für unsere Ausstellung erscheint mir der gewählte Rahmen angemessen.

Hast du eigene Erfahrungen des „kontrollierten Kontrollverlustes“ machen können?

Ich konnte diesen Raum nur deswegen konstruieren, weil ich selbst solche Erfahrungen kenne und durchlebt habe.

Wie war es für dich, dich in so eine Erfahrung zu begeben?

Erfahrungen auf diesem Weg sind die tiefsten, die du erleben kannst. Es geht dabei um Sinn, Spiritualität und Urvertrauen. Es geht ebenso darum sich anwesend und selbstwirksam zu erleben und gleichzeitig aufgehoben im großen Fluss der Energien. Das ist die wunderbare Seite. Du wirst aber auf der anderen Seite möglicherweise auch gnadenlos mit dir selbst, deinen Ängsten, deiner Hölle konfrontiert. Sich in eine solche Erfahrung zu begeben hat etwas mit dem Sterbeprozess zu tun. Du gehst in einen Raum und weißt nicht ob und wie du zurückkehren wirst. Eine solche Erfahrung kannst du nur machen, wenn du vollkommen loslässt, das Bekannte, die Sicherheit, die Gewissheit. Das ist einmalig und nicht wiederholbar. Denn selbst wenn du in die gleiche Versuchsanordnung wieder reingehst, wird es etwas vollkommen anderes sein. Der Raum in der Ausstellung formuliert natürlich nur eine Andeutung, einen kleinen Vorgeschmack, macht aber dennoch spürbar um was es geht.

 

Eckhard, besten Dank für die intensiven Einblicke, die Du mir und den Lesern gewährst. Die Ausstellung ist nur am Donnerstag, den 18. Oktober 2018 von 14 – 19 Uhr geöffnet. Seien Sie herzlichst eingeladen, im VIA Zentrum AktionsRaum besondere und einzigartige Resonanzerfahrungen zu erleben.

Den ersten Teil des Interviews haben Sie verpasst? Lesen Sie HIER von starken Geschichten, vom innerlichen Mitschwingen und von Räumen, die Sie einladen, etwas zu erfahren.

 

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