Die Woche der seelischen Gesundheit rückt näher und im Zentrum AktionsRaum dauern die Vorbereitungen für den 18. Oktober noch an. Vieles aber ist auch schon geschafft. Vorab zur Ausstellung haben wir Eckhard Schwarzenberger (organisatorische Leitung und Kurator) einige Fragen gestellt und interessante Antworten erhalten. Lesen Sie heute von starken Geschichten, vom innerlichen Mitschwingen und von Räumen, die Sie einladen, etwas zu erfahren.

Eckhard, die Ausstellung lädt ein unter dem Titel: Erzähl mir mal was – Resonanzserfahrungen im Zentrum AktionsRaum. Was darf man sich darunter vorstellen?

Wir bilden unsere Identität indem wir unser Leben als Geschichte erzählen. Diese Erzählung muss zuallererst uns selbst überzeugen. Wir bringen darin die Ereignisse unseres Lebens in einen sinnvollen Zusammenhang. Ob sie immer mit historischen Fakten übereinstimmt ist dabei zweitrangig. Denn unsere Erinnerung arbeitet konstruktiv. Es geht eher darum, welche Bedeutung wir den Ereignissen und Erfahrungen geben.
Was für Individuen gilt kann auch auf Institutionen und Organisationen übertragen werden. Starke Geschichten machen starke Identitäten. Wir glauben, dass das Zentrum AktionsRaum in seiner jungen Geschichte schon eine starke Erzählung entwickelt hat. Diese wollen wir in der Ausstellung der Öffentlichkeit vorstellen.

Das Thema zur Woche der seelischen Gesundheit ist „Gestresste Gesellschaft – Was tun?“. Ist in unserer schnelllebigen Zeit und gestressten Gesellschaft noch Platz für Geschichtenerzähler und Zuhörer?

Geschichten werden in unserer durchmedialisierten Welt im allgemeinen Aufmerksamkeitswettkampf immer seltener, denn sie benötigen Zeit sich zu entfalten. Und die hat man in einer Zapp-, Klick- und Like-Kultur immer weniger. Die ständige Dynamisierung unser Lebenswelt, der stetige Druck zum schneller, lauter, greller lässt uns keine Zeit zum Zuhören und Stillwerden.

Was hat das deiner Meinung nach zur Folge und hat das etwas mit Resonanzserfahrungen zu tun?

Uns geht dabei etwas verloren, nämlich der Kontakt zu unserer Umwelt, zur Natur, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst. Der Soziologe Hartmut Rosa sieht einen Ausweg darin, dass wir unsere Aufmerksamkeit wieder verstärkt den Dingen widmen, die uns wirklich unmittelbar umgeben. Was sich dabei einstellen kann, wenn wir uns ganz im Moment und am Ort unserer Leiblichkeit einfinden, nennt Rosa Resonanzerfahrung. Es ist ein innerliches Mitschwingen mit einem Gegenüber, ein Mensch, ein Gegenstand oder einer Situation vielleicht, das uns in unserer Gänze erfasst und auch verändern kann. Es ist der Moment, in dem wir uns gemeint fühlen und unsererseits darauf eine Antwort finden – in eine Antwortbeziehung gehen. Dies geschieht nicht automatisch sondern zuweilen und ohne Planbarkeit. Man muss es also riskieren – ohne Garantie auf Erfolg.

Was erwartet die Besucher*innen am 18. Oktober im Zentrum AktionsRaum?

In der Ausstellung wollen wir Räume schaffen, die Geschichten von Erfahrungen erzählen und diese nachvollziehbar machen.

Das heißt, an diesem Tag kann man Geschichten von Menschen erfahren, die im Zentrum AktionsRaum aktiv sind?

Das Zentrum AktionsRaum erzählt seine Geschichte, in dem die Menschen, die darin zuhause sind ihre Geschichten erzählen. Wir wollen aber den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung auch Erfahrungen ermöglichen, dergestalt, wie sie an diesem Ort tagtäglich von den Nutzerinnen und Nutzern des Zentrums AktionsRaum gemacht werden können. Im Glücksfall werden dies Resonanzerfahrungen sein. In diesem Fall wird es dann eine Verbindung sein, eine echte Inklusion von Ausstellungsbesuchern und Besucherinnen und Nutzern und Nutzerinnen des Zentrums AktionsRaum.

Als Gast der Ausstellung kann ich also aktiv werden und selber das erfahren, was andere hier erleben und in ihren Geschichten erzählen?

Als Besucher oder Besucherin finde ich Räume vor, die mich einladen etwas zu erfahren, zunächst etwas von Menschen, die ich nicht kenne, die aber etwas von sich ausdrücken, was auf Fragen meiner eigenen Existenz verweist. Dann gibt es da noch die anderen Räume, die mich in eine direktere Konfrontation mit mir selbst einladen, das sind die Räume für die etwas mutigeren Menschen und die, die sich mehr Zeit nehmen wollen.

Abgesehen vom Interesse sowie der Neugier an den Geschichten anderer Menschen empfiehlst Du zur Ausstellung am 18. Oktober Zeit und Mut mitzubringen?

Ich denke die Haltung, mit der ich eine Ausstellung besuche, ist von enormer Bedeutung und hier trifft das ganz besonders zu. Diese Ausstellung verweigert sich unserer alltäglichen Konsumroutine. Man kann hier nichts im Vorbeigehen entdecken – mitnehmen. Man muss schon still werden. Am besten geht man sowieso alleine durch die Ausstellung. Smalltalk oder Diskussionen sind der sicherste Weg eine Erfahrung, gar eine Resonanzerfahrung, zu verhindern.

Eckhard, vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Im nächsten Beitrag erfahren Sie wie die Idee des Konzepts zustande kam, wie lange die Vorbereitungen schon andauern und was Eckhard Schwarzenberger während der Vorbereitungen besonders berührt hat.

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